Mutter und Tochter – Die heroisierte Alleinerziehende – Das Ende ihrer Fahnenstange?

Allein erziehend. Das hat was. Allein erziehend ist eine Art Orden der weiblichen Emanzipation.

Getreu dem Motto „War der Kerl der Griff ins Klo, ex und hopp und aus die Show“, erfüllt die allein erziehende Heldin der Selbstbefreiung vom Klassenfeind den Parteigrundsatz der SPD: „Wer mehr Menschlichkeit will, muss das Männliche überwinden.“ Wenn das nicht Emanzipation pur ist!

Die heroisierte Alleinerziehende – Das Ende ihrer Fahnenstange?

Vom Grundgesetz geschützt, aufgefangen in einem bundesweit flächendeckenden Netzwerk staatlich geförderter und ehrenamtlicher Helferscharen, weiß die allein erziehende Powerfrau sich der Anerkennung für ihren Akt der Entziehung von Männerprivilegien und Befreiung der Kinder von der Knute väterlicher Autorität versorgungssicher. Es ist schließlich ihr gutes Recht, sich selbst zu verwirklichen und Familie getreu dem Wahlspruch von SPD-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt zu leben, nämlich „da, wo Kinder sind“, „alle aus einem Kühlschrank essen“ und ohne „Familienpascha“, der eigentlich gesetzlich bestraft werden müsste, wenn er nicht spurt.

Dass Kinder unter der Trennung der Eltern leiden und auch ihren Papa behalten wollen, ach Gottchen, Kinder leiden schnell mal und lachen auch schnell wieder. In Wahrheit sind Kinder, die ihre starken, emanzipierten allein erziehender Mütter zum Vorbild haben, doch viel besser dran als ihre unterdrückten Artgenossen, die als größtes Kind der Familie einen Vater ertragen müssen. Das haben Expertinnen wie Gunhild Gutschmidt vom Verband allein erziehender Mütter und Väter (VAMV e.V.) schon vor Jahren proklamiert und Generationen von Müttern dadurch Mut zum Befreiungsschlag gemacht. Spätestens seit 1998, als Christiane Schmerl auf einem Psychologenkongress in Berlin verkündete, dass sexuelle Lust sich künftig im virtuellen Chatraum abspielen werde, die Zeugung der Zukunft künstlich und nach dem „rent-a-bauch“ Prinzip erfolge, da das „Natur-Modell menschlicher Sexualität eine soziale Erfindung“ sei, kommt dem Sperma eines leiblichen Vaters nur mehr der Wert eines „Schädlingsbekämpfungsmittels“ zu.

Und plötzlich soll die Crème de la Crème der Emanzipation, die selbstbestimmte alleinerziehende Mutter unter dem Fürsorgeprotektorat der barunterhaltspflichtigen Erzeuger und der Nothelfergemeinschaft der erwerbstätigen Solidargemeinschaft, in die Pflicht zum Selbsterhalt gebracht werden? Auf einmal soll es keine Mutter-Heldentat mehr sein, Kindern den Vater zu entziehen und bloß noch dauerhaft sein Geld zu nehmen?

Der ganze schöne Mutterschutz in der Fürsorgehängematte dahin? Schnöde geopfert auf dem Altar des Mammons, weil „Papa Staat“ die Folgen der weiblichen Emanzipation zur förderungsbedürftigen Alleinerziehenden nicht mehr bezahlen kann und die männliche Emanzipation dazu geführt hat, dass Männer ihr „Schädlingsbekämpfungsmittel“ lieber unter der Hand verjubeln, als „Papa Staat“ neue Steuerzahler zu machen?

Nein, nein, beschwichtigt die regierende Politelite die „tumben“ Bürger-Toren. Es gehe um mehr soziale Gerechtigkeit, um die Gleichberechtigung von Kindern aus verschiedenen Elternbeziehungen, um die Entlastung von Vätern und ihre Chance auf eine Zweitehe, Zweitkindersegen oder mehr, kurz, um etwas sehr Gutes.

Aber ist es das wirklich?

Ist es nicht eher so, dass „Mama Staat“ der Steuersäckel genau so eng am Leibe klebt wie „Papa Staat“? Dass selbst „Mama Staat“ ihren ewigen Opfergesang über die Benachteiligung der Frau unterbrechen muss, weil auch die weibliche Hälfte der Bevölkerung ins Nirwana saust, wenn der männliche Rest abschmiert?

Was ist denn passiert, seit Männer wie Frauen sein sollen und Frauen die besseren Männer? Was ist dabei heraus gekommen, dass Männlichkeit als Unmenschlichkeit definiert und Weiblichkeit zum Doppelhirndenkersozialkompetenzwunder den Heiligenschein des wahren Adam erhielt? Was hat es gebracht, dass Kinder zum Klotz am Bein ihrer Mütter und zum Kostenfaktor ihrer Väter erklärt wurden? Dass kleine Mädchen als schwach und stärkungsbedürftig, kleine Jungs aber als mit Tatwaffe geborene Triebgesteuerte verkannt und seelisch manipuliert wurden? Wen machte es glücklich, dass Kinder zu Partnern ihrer Eltern und aller Erwachsenen erklärt wurden und darüber ihr Kindsein verloren? Was hatten wir davon, dass Männer und Frauen sich Konkurrenz machten, statt einander zu ergänzen? Was war gut daran, dass die freien Spielräume der Kinder verschwanden und ihre eigene Natur in einer gekauften Künstlichkeit zu leben begann, die vom Markenklamottenwahn zum Shoppinghobby und direkt ins Abenteuer aus dem PC führte, in eine Scheinwelt, in der Liebe gleich Sex und Gewalt gleich Spaß ist?

Wir erleben seit Jahrzehnten einen nicht endenden aberwitzigen Scheidungs-, Trennungs- und Abtreibungsboom im Land. Daraus resultiert nicht nur ein grassierender Kindermangel, sondern auch eine Kinderfeindlichkeit und Kinderferne, die der bewusst lebensplanenden Jugend die Kinderlosigkeit als besten Kinderschutz erscheinen lässt.

Die kaputt gesparte Schulbildung zerstört Lebensplanungen, noch ehe das Leben recht begann. Hoffnungslosigkeit erzeugt Gewalt, Selbstzerstörung, Lebensmüdigkeit. Doch wenn die Seele Amok läuft, waschen die wahren Schuldigen sich die Hände in Unschuld und verabschieden mal rasch ein neues Gesetz, das keiner braucht.

Aus Kindermangel und Bildungsschwäche erwachsen Fachkräftemangel und vorhersehbarer wirtschaftlicher Niedergang nebst steigender Staatsverschuldung.

Aus Nichtintegration von Zugewanderten entsteht gesellschaftliches Dynamit.

Doch anstatt Kindern endlich ihre Kindheit zurück zu geben, ihnen Zeit zum Lebenlernen zu gönnen, sie in ihrer natürlichen Gegebenheit als das zu lieben und zu fördern, was sie sind, ohne Ansehen des Geschlechts, werden sie als Humankapital in Staatsbesitz verwaltet und verschoben und bei nicht erfüllter Norm durchgewinkt und abserviert.

Die immer stärkere Politikmüdigkeit der Bevölkerung, die zusehends schwächere Wahlbeteiligung, die Suche von immer mehr Menschen nach politischen Alternativen beweist, dass wir, das Volk, diesen politischen Geschlechterkampf bis über die Ohren satt haben. Jeder verantwortungsbewusste Mensch konnte das ganze Desaster politischen Missmanagements der letzten Jahrzehnte am eigenen Leibe spüren.

Nur die Volksgewählten, die sich letztlich doch nur selber wählen, indem sie die Bürgerstimmen nach eigenem Koalitionsbelieben mixen, um zu siegen, sie spiegelten sich in Selbstbeschau und zelebrierten ihre Ideologien und Machtkämpfe wie Götter im Olymp.

Jetzt plötzlich ist das Ergebnis des sogar Kinder zerstörenden Geschlechterkampfs offen gelegt. Alle Welt sieht, die Deutschen sterben aus. Ihre Schulpolitik trägt die rote Laterne. Ihre Integrationspolitik verdient den Namen nicht. Und wenn nicht ständig Leute aus dem Ausland zuwandern, ist es auch mit dem noblen Wirtschaftsstandort aus. Spätestens dann geht den Regierenden, die sich so vollmundig kosmopolitisch wähnen, auch der eigene Allerwerteste auf Grundeis, denn abgehalfterte deutsche Bundespolitiker haben bestenfalls noch im EU-Parlament etwas zu melden.

Ist jetzt die Zeit der Frauenpower gekommen? Sieht „Mama Staat“ jetzt, dass sie ihre Töchter lange genug gehudert und nach oben quotiert hat und endlich die Früchte des jahrzehntelangen „stark Machens“ ernten will?

Mädchen sind die besseren Schülerinnen, Jungen versagen auch öfter in der weiterführenden Ausbildung, mehr junge Frauen finden einen guten Job, junge Männer sind gleichaltrigen Frauen immer häufiger unterlegen. Deutschlands Wirtschaft könne auf die gut ausgebildeten jungen Frauen nicht verzichten, tönt es aus der Regierungselite. Es brauche mehr Kinderbetreuung außerhalb der Familie, bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, mehr Freiheit und Unabhängigkeit durch eigenes Geld. Gleichberechtigung sei erst erzielt, wenn alle Frauenwünsche erfüllt wären. Es gelte die Frauenquote in Führungsetagen einzuführen. Kinder ja, ja, ja, aber wer wirklich emanzipiert ist, der macht’s wie die französische Justizministerin und kommt kurz nach der Kaiserschnittgeburt wieder an den Arbeitsplatz.

Greift sie jetzt, die auf der Pekinger Weltfrauenkonferenz gewonnene Erkenntnis, dass Frauen nur so lange Mütter sind, wie sie Kinder erziehen? Sind daher auch allein erziehende Mütter nicht mehr lebenslang Heldinnen der Emanzipation, sondern müssen nun ebenfalls erst „durch Arbeit frei“ werden und folglich ihre wahre „Transzendenz“, ganz nach der Emanzen-Ikone Simone de Beauvoir, durch das eigenständige Auffüllen des Kühlschranks beweisen, aus dem dann alle essen können?

Ist deshalb die frauenpolitische Schonzeit für all die vom Alleinerziehen überforderten, psychisch erkrankten, arbeitsunfähigen Mütter vorbei, die angesichts der galoppierenden Kinderarmut, der massiven Kindervernachlässigung, der Kindsmorde und Kindesmisshandlungen wenig Heldenhaftes an sich haben? Dürfen sie deshalb nicht mehr nur, sondern müssen das Joch der Familienarbeit abladen, um brave Steuerzahlerinnen zu werden?

Der heiligen Ursula sei Dank, stehen die Heerscharen der neu in Lohn und Brot gebrachten professionellen Ganztagserzieher/innen, Tagesmütter, Pflegemütter, Pflegefamilien, Pflegeheimeinrichtungen schon bereit. Schließlich weiß jedes Kind, dass Arbeit nur gut und etwas wert ist, wenn sie bezahlt wird und dass es deshalb nicht das gleiche ist, wenn eine Tagesmutter dasselbe wie eine Mutter tut.

Aus dem berufenen Mund von Brigitte Zypries weiß man im Land, dass die Gesetze des Bundesjustizministeriums nicht von der Bürgerschaft verstanden werden müssen. Schließlich versteht der ja Gesetzgeber selbst sie kaum und bedarf der Kopfnüsse des Bundesverfassungsgerichts als Denkhilfe.

Sicher ist, dass das neue Unterhaltsgesetz eine Wende in der Familienpolitik bedeutet, die den Pferdefuß des Amtsschimmels in dem unscheinbaren Passus verrät, dass die Kindererziehung und –betreuung von nun an nicht mehr selbstverständlich zuvörderst den Eltern obliegt.

©Dr. Karin Jäckel www.karin-jaeckel.de

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