Neue Studie bestätigt Zusammenhang von frühkindlichem Stress und späterer Depression

Laut Berliner Zeitung gibt der Freiburger Psychosomatik-Professor Joachim Bauer zu bedenken: “Ein Staat, der Eltern nicht ausreichende Möglichkeiten einräumt, sich in der frühen Lebensphase ihrer Kinder intensiv um diese zu kümmern, zahlt später einen hohen Preis

– in Form einer Zunahme psychischer, insbesondere depressiver Störungen und anderer Stresskrankheiten.”

Immer wieder weisen die Wissenschaftler mit immer neueren Methoden auf erforschte Tatsachen hin, die uns allen eigentlich längst bekannt sind. „Dass Belastungen in der frühen Kindheit das Risiko erhöhen, an schweren Depressionen und Angststörungen zu erkranken, ist seit langer Zeit auch beim Menschen bekannt.“ Früh erlittene schwere Belastung kann die Entwicklung krankmachender Prozesse einleiten, die sich später in Angsterkrankungen und Depressionen manifestieren. So steht es selbst in der Zusammenfassung der neu veröffentlichten Studie.

Außerdem wird einmal mehr deutlich, dass sogar die Erbsubstanz geschädigt wird. Die Epigenetik erklärt jetzt endlich, wie diese prägenden Einflüsse dauerhafte Spuren in Körper und Geist hinterlassen. Sie verändern molekularbiologische Strukturen, die wie Schalter an den Genen sitzen und darüber wachen, ob ein Gen aktiv werden kann oder nicht. Unlängst zeigten die Forscher, dass ihre an Tieren erforschten Resultate grundsätzlich auf uns Menschen übertragbar sind. Im Gehirn von Suizidopfern, die in früher Kindheit misshandelt worden waren, fanden sie die gleichen Veränderungen wie bei den vernachlässigten Versuchstieren.
Im Jahr 2004 fand Michael Meaney heraus, dass Ratten, die von ihren Müttern nicht ausreichend umsorgt werden, besonders aggressiv, reizbar und ängstlich waren.

Die Forscher entfernten diesmal Würfe von Nagern während der ersten zehn Tage ihres Lebens für kurze Zeit von ihrer Mutter. Dies verursachte einen starken psychologischen Stress, der in speziellen Gehirnzellen dafür sorgte, dass eine bestimmte Erbgut-Region sich anders entwickelte als bei stressfrei aufgewachsenen Mäusen. “Die Tiere verhalten sich ängstlich, lernen schlecht, sind gering belastbar und antriebsschwach”, so Florian Holsboer, Direktor des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München, gegenüber der Berliner Zeitung.

So weit so gut. Bekannt ist ebenfalls, dass Kinder in der Krippe erhöhte, über den ganzen Tag andauernde Stresshormonspiegel haben, gegenüber Kindern, die zu Hause betreut werden, bei denen ein erhöhter Kortisolspiegel nicht nachweisbar ist.

Wie kann es dann sein, dass Politiker mit diesem Wissen an dem weitern Krippenausbau festhalten, ihn sogar forcieren? Kennen sie diese Ergebnisse nicht? Werden die Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeiten in der deutschen Politik nicht ungesetzt?
Dann sollten doch die horrenden Summen für die Forschung einfach gestrichen werden!

Dieser Beitrag stammt aus dem Archiv (Dienstag, den 24. November 2009)

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