Vernebelungstaktik des Familienmonitors? Wichtigste Forderungen der Deutschen werden unterschlagen

Der vor einer guten Woche veröffentlichte, vom Institut für Demoskopie in Allensbach erarbeitete Familienmonitor 2009 enthält brisanten Zündstoff. Details, die beweisen, dass die derzeitige Familienpolitik komplett an den Bedürfnissen der Familien in Deutschland vorbei geht. Damit dies nicht in die Öffentlichkeit gelangt, scheint man sich im Ministerium dazu entschlossen zu haben, unwichtige Details des Monitors an die Medien weiterzugeben, während die brisanten Ergebnisse einfach verschwiegen werden.

Viele Medien berichteten in der vergangenen Woche über das veränderte Bild des Vaters durch die Krise, welches für den Wandel in der Familie verantwortlich sein soll. Daraus fasste Bundesfamilienministerin von der Leyen den Entschluss, die Bedingungen für berufstätige Eltern weiter verbessern und beiden Elternteilen die Erwerbstätigkeit ermöglichen zu wollen.

Dies jedoch ist nachweislich überhaupt nicht der Wunsch der Mehrheit der Befragten. Das Gegenteil ist der Fall, und dies drückt sich durch den Familienmonitor 2009 auch klar aus: Die von den Befragten gegebenen Antworten stehen im krassen Gegensatz zur Politik der Familienministerin der letzten vier Jahre, die für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie stets nur eine einzige Lösung zu kennen scheint: Beide Elternteile sollen arbeiten gehen, die Kinder in der Krippe betreut werden.

Doch gerade junge Familien mit Kindern wünschen sich etwas völlig anderes: Nämlich unbedingt mehr gemeinsame Zeit mit ihren Kindern. Über zwei Drittel, 67 Prozent der jungen Eltern, sind der Ansicht, dass die größte Hilfe, um das Familienleben und den Beruf zu vereinbaren, in einer größeren finanziellen Unterstützung des Staates läge, und nicht etwa in der Erwerbstätigkeit und Fremdbetreuung..

Junge Mütter sagen zu 81 Prozent, dass es ihnen sehr wichtig sei, viel Zeit mit ihrer Familie zu verbringen und 18 Prozent sagen, es sei ihnen wichtig, insgesamt sprechen sich also 99 Prozent der jungen Mütter, praktisch alle, für die enorme Wichtigkeit gemeinsamer Zeit mit ihren Kindern aus!

73 Prozent der Befragten wünschen sich, dass der Staat mehr für Familien mit Kindern tun solle, und 73 Prozent sind ebenso der Ansicht, der Staat müsse sich mehr für ein positives Familienbild im Lande stark machen.

Auf die Frage, welche der folgenden Gesellschaftsgruppen vorrangig vom Staat unterstützt werden sollten, sprachen sich 80 Prozent: für Familien mit Kindern aus, die trotz eines Einkommens nicht genügend Geld für den Lebensunterhalt haben, 70 Prozent für alleinerziehende Mütter oder Väter und 61 Prozent für kinderreiche Familien aus.

Beim Thema bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie waren 2008 noch 42 Prozent der Ansicht, dass ein Elternteil eine Zeitlang ohne große finanzielle Einbußen aussteigen können sollte, diese Zahl nahm um zehn Prozent auf 52 Prozent in 2009 zu, jungen Familien war dies, wie erwähnt, gar zu 65 Prozent wichtig.

Für die Überwachung des Staates von verwahrlosten Familien waren letztes Jahr übrigens noch 65 Prozent, diese Zahl ist 2009 um 13 Prozent auf 55 Prozent gesunken.

Nach diesen vorliegenden Ergebnissen muss die Frage gestellt werden, wie weit die Familienministerin sich von den Wünschen der Familien in Deutschland bereits entfernt hat, und ob Familienpolitik in Deutschland wirklich Politik für Familien ist?

Dieser Beitrag stammt aus dem Archiv (Freitag, 24. Juli 2009)

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